Der 8. März

Entstanden ist die Idee zu einem Internationalen Frauentag auf der 2. Internationalen Frauenkonferenz der Sozialdemokratischen Partei in Kopenhagen im August 1910. 100 Frauen aus 17 Nationen unterstützten die Initiative. Die Hauptanliegen damals waren die Einführung des Frauenwahlrechts, Gleichberechtigung und Frieden.

In der Steiermark fanden 1911 insgesamt 28 Frauenversammlungen statt. Die große Abschlusskundgebung wurde im Annenhof in der Annenstraße 29 (dem heutigen Annenhofkino) um 13.30 abgehalten.

Das überparteiliche „Freie 8. März-Komitee-Graz“ organisiert seit 1983 rund um den Internationalen Frauentag ein Informations- und Aktionsprogramm – inklusive jährlichem Fest für alle Grazerinnen! Brisante Themen bestimmen das jeweilige Motto des Programms und finden auch in den politischen Forderungen ihren Niederschlag.

Nicht alle Probleme der Frauen von gestern sind die Probleme der Frauen von heute. Aber viele davon, zu viele! Etwa 100 Jahre später geht es um die Verwirklichung der Chancengleichheit, um gleichberechtigte Teilhabe von Frauen im Erwerbsleben und an politischen Entscheidungsprozessen und gesellschaftlichen Ressourcen. Der diesjährige Themenschwerpunkt beschäftigt sich mit “Freiräume für Frauen, gegen Gewalt an Frauen”.

Freiräume für Frauen!

Gewalt betrifft Frauen jeden Alters, aller Schichten und Kulturen. Gewalt erfahren Frauen und Mädchen in den verschiedensten Lebensumständen und Situationen, etwa in der Familie, am Arbeitsplatz, unter „Freunden“. Gewalt an Frauen hat viele Gesichter, sie kann körperlich sein, sexuell, seelisch, institutionell, strukturell. Jede Form der Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist ein Verstoß gegen das Recht auf Leben, Freiheit und Würde.

Gewalt gegen Frauen ist eine Menschenrechtsverletzung!

Zahlen & Fakten

Über das tatsächliche Ausmaß von Gewalt an Frauen und Mädchen gibt es kaum exakte Zahlen. Anhaltspunkte liefert die Österreichische Prävalenzstudie „Gewalt in der Familie und im nahen sozialen Umfeld“ aus dem Jahr 2011: 57 Prozent der Frauen machten im Laufe ihres Lebens körperliche Gewalterfahrungen – die meisten davon in der Partnerschaft. 74 Prozent der Frauen erlebten sexuelle Belästigung. Jede 3. Frau hat sexuelle Gewalt erlebt. Jede 5. Frau macht schwere sexuelle Gewalterfahrungen. Mehr als jede 10. Frau erlebt mehrmalige schwere sexuelle Gewalthandlungen mit körperlichen, seelischen und/oder langfristigen psychosozialen Folgen.

Gewalt dient dazu, Macht und Kontrolle über Frauen und Mädchen auszuüben, über ihre Lebensgestaltung und ihre Sexualität.

Wir fordern heute:

  • Mehr und langfristig Geld für spezialisierte Beratungseinrichtungen im Gewalt- und Opferschutzbereich
  • Bedarfsgerechte, spezialisierte Krisenunterbringung für unterschiedliche Zielgruppen, etwa Mädchen
  • Betreute Wohnungen als Übergang direkt nach der Unterbringung in einer Schutzeinrichtung
  • Spezialisierte Krisenunterbringung für Betroffene von Zwangsheirat („Gewalt im Namen der Ehre“) in Österreich
  • Besseren Schutz und bessere Rahmenbedingungen für Opfer von Frauenhandel sowie Entschädigungszahlungen
  • Eigenständigen – vom Ehemann unabhängigen – Aufenthaltstitel und Arbeitsmarktzugang für zugewanderte Frauen
  • Mehr Schutz und bessere Arbeitsbedingungen für Sexarbeiterinnen
  • Wahrnehmung von besonders betroffenen Frauen – behinderten, alten, sehr jungen Frauen – als Opfer von (sexualisierter) Gewalt und Enttabuisierung dieses Themas
  • Verstärkte Präventionsarbeit und TäterInnenarbeit um Gewalt zu beenden und neue Gewalt zu verhindernVerankerung des Themas Gewalt in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Frauen und Männern in Gesundheits -, Justiz – und Pädagogikberufen
  • Präventions- und Interventionsmaßnahmen gegen sexualisierte Gewalt in Institutionen durch alle Einrichtungen und politisch Verantwortlichen in der Kinder-, Jugend-, Sozial-, Behinderten- und Pflegearbeit sowie im Gesundheits- Bildungs- und Freizeitbereich
  • Tatsächliches Umsetzen und Einhalten von internationalen, europäischen, nationalen und regionalen Konventionen, Empfehlungen, Resolutionen
  • Frauenpolitische Maßnahmen, die Frauen und Mädchen eine gesicherte Existenz und ein sicheres, selbstbestimmtes, unabhängiges Leben ermöglichen – frei von Diskriminierung, Angst und Gewalt!

Unterstützung für Frauen bei der Frauenhelpline 0800/222 555 und bei den unter Frauenräume angeführten Einrichtungen.